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Neukonzeption der Zahnradbahn



Die Pilatus-Zahnradbahn wird in den kommenden Jahren neu konzeptioniert. Hautpsächlich geht es um den Ersatz des Rollmaterials. Gleichzeitig erfolgt eine Anpassung des Betriebskonzepts, was Umbauten an den Stationen, insbesondere an der Talstation, nötig macht.
Baubeginn ist im Herbst 2020. Das erste Fahrzeug wird bereits in der Saison 2021 im Einsatz stehen. Auf die Saison 2023 wird der Betrieb umgestellt und das bestehende Rollmaterial definitiv ersetzt.

Projektübersicht

Neues Rollmaterial
Die zehn Personentriebwagen, die heute im Einsatz stehen, wurden entweder 1937 beschafft (PB Bhe 1/2 Nr. 21-28) oder kamen später mit nachzu gleichem technischen Aufbau hinzu (PB Bhe 1/2 Nr. 29 und 30). Nach über achtzig Jahren im Einsatz, sollen diese Triebwagen durch acht neue Fahrzeuge ersetzt werden.
Die neuen Triebwagen können im Gegensatz zum heutigen Rollmaterial zusammengekoppelt werden und verkehren in Doppeltraktion. Ausserdem besitzen die Wagen neu auf beiden Seiten Türen und ein einzelner Wagen verfügt über sechs Abteile für je acht Fahrgäste. Die bisherigen Triebwagen haben fünf Abteile. Das sechste Abteil des neuen Rollmaterials ergibt sich durch den Wegfall der Führerstände. Die Wagenführer sitzen in Zukunft mit sechs Fahrgästen im jeweils vordersten Abteil. Somit bieten die neuen Fahrzeuge in Doppeltraktion 92 Sitzplätze.
Das unterste Abteil wird zudem so ausgelegt, dass der ebenerdige Einstieg möglich und Platz für Rollstuhlfahrer vorhanden ist. Neben den bis zum Boden reichenden Fenster an den Seitenwänden wird auch ein Grossteil des Dachs verglast sein. Damit dürfte sich den Passagieren in Zukunft eine noch spektakulärere Aussicht bieten.
Die neuen Fahrzeuge verkehren mit bis zu 15 km/h bergwärts (heute 12 km/h) und mit 9-12 km/h talwärts (heute max. 9km/h). Damit wird ein 30-Minuten-Takt ermöglicht (heute 40 Minuten).
Neben den acht Personenwagen, wird auch ein neues Güterfahrzeug beschafft. Dank dem Einsatz von Kameras kann auf den Begleiter verzichtet werden. Alle neuen Fahrzeuge verfügen über umfangreiche Überwachungssysteme, die zum Beispiel eine Auffahrkollision verhindern sollen.

Neuer Betriebslablauf
Durch die höheren Fahrgeschwindigkeiten wird neu ein 30-Minuten-Takt umgesetzt. Statt wie bisher mit max. 5-6 Fahrzeugen je Fahrtrichtung wird man zukünftig mit je zwei Doppeltraktionen pro Richtung verkehren. Damit wird die "alte Station" auf Pilatus Kulm nicht mehr für den Fahrgastbetrieb verwendet, sondern nur noch für den Güterumschlag. In der Talstation wird der Einstieg der Fahrgäste neu auf beiden Gleisen möglich sein, aufgrund der beidseitigen Anordnung der Türen.
Der Betrieb wird über ein "Fahrdienstleiterassistenzsystem" zentral von Alpnachstad aus gesteuert und überwacht.

Umbau der Stationen
In der Talstation wird am heutigen Abstellgleis ein neues Perron gebaut. Damit kann der Fahrgastwechsel bei beiden Doppeltraktionen gleichzeitig erfolgen. Die Schiebebühne in der Talstation wird ausgebaut. Auch die Schiebebühne Obsee wird entfernt und durch zwei Gleiswender, wie sie heute bereits auf Pilatus Kulm in Einsatz sind, ersetzt. Ein neuer Kran ermöglicht das Beladen des Güterfahrzeuges, ohne das "in die Grube fahren" wie es bisher praktiziert wird.
In der Mittelstation gibt es neue Aussenperron, die erst dank den beidseitigen Türen möglich werden.
Bei der Bergstation werden wie bisher die Gleise 3 und 4 für die beiden Doppeltraktionen verwendet. Ein neuer Aufzug bringt Rollstuhlfahrer aus dem untersten Abteil auf die Höhe des Stationsausgangs. Über eine Passerelle gelangen sie ebenerdig und hindernisfrei vom Fahrzeug in die Bergstation und umgekehrt.
Gleisplan vorher/nachher
Diese Übersicht zeigt, wie sich die Situation in Alpnachstad mit den drei neuen Gleiswender verändert.

Verbleib der historischen Fahrzeuge
Die bestehenden Fahrzeuge aus dem Jahr 1937 können mit dem Halbstundentakt nicht mithalten und verschwinden deshalb aus dem Regelbetrieb. Voraussichtlich werden zwei Triebwagen einsatzfähig bleiben und für Sonderfahrten eingesetzt. Zwei weitere dienen als "Ersatzteilspender". Die restlichen Fahrzeuge werden abgebrochen, sofern nicht eine anderweitige Verwendung gefunden wird (z.B. als Ausstellungsstück in einem Museum).

Tagebuch

Montag, 14. Juni 2021: Fahrt in die Talstation
Zum ersten Mal ist der neue Triebwagen heute auf dem Hauptgleis in die Talstation eingefahren. Die bestehende Perrontreppe ist denkmalgeschützt und verbleibt im bestehenden Zustand. Allerdings mussten in der oberen Hälfte einige Zentimeter weggeschnitten werden, damit der Wagen einfahren kann. Der neue Triebwagen ist zwar nicht breiter, aber er hat die Achsen anders verteilt als seine Vorgänger und schwenkt darum in den Kurven eher auf der talseite aus.
Foto vom Triebwagen in der Station Foto vom Triebwagen in der Station
Das neue Fahrzeug steht in der Talstation

Alt trifft auf Neu

Ab 2023 steht ein umfassendes Zugsüberwachungssystem zur Verfügung, welches unter anderem das automatische punktgenaue Anhalten in den Stationen ermöglicht. Bis dahin muss der Triebwagenführer manuell am richtigen Ort anhalten. Dies ist sowohl für das ebenerdige Aussteigen, wie auch für das Verschieben mit den Schiebebühnen relevant. Deswegen wird die Position mit Klebeband markiert, um den Wagenführer als Übergangslösung einen Anhaltspunkt zu geben.
Die Position wird markiert
Die Anhalteposition wird markiert

Der neue Triebwagen stiess in der Talstation auf reges Interesse bei den anwesenden Triebwagenführern. Zum ersten Mal konnte man einen Blick in den Führerstand werfen.
Blick in den Führerstand
Blick in den neuen Führerstand

Der neue Führerstand befindet sich im untersten Abteil. Sechs Fahrgäste sitzen neben dem Triebwagenführer in diesem Abteil. Der Platz für den Wagenführer kann auch zurückgebaut werden, so dass wie in allen anderen Abteilen sechs Passagiere darin Platz finden.
Der Wagen fährt wieder ins Depot
Der Triebwagen kehrt wieder ins Depot zurück

Donnerstag, 10. Juni 2021: Testfahrten auf der Strecke
Zwischen den Kursen wagt man sich mittlerweile auf die Strecke oberhalb der Talstation. Es wurde bereits ein erstes Mal im steilsten Abschnitt (48%) mit 15 km/h bergwärts gefahren. Das heutige Rollmaterial darf eine Motrendrehzahl von 2600 U/min nicht überschreiten, was 12 km/h entspricht. Allerdings erreichen die Triebwagen diese Geschwindigkeit in den steilen Abschnitten nicht. Es handelt sich also um eine für die Pilatusbahn bisher ungekannt hohe Geschwindigkeit.
Foto vom neuen Triebwagen auf der Strecke
Der Triebwagen PB Bhe 2/2 Nr. 41 kehrt von der Versuchfahrt zurück

Mittwoch, 9. Juni 2021: Erste Testfahrten über Abstellgleis
Nachdem am Vortag mit dem neuen TW 41 im flachen Depotareal rangiert wurde, wagte man sich heute Nachmittag erstmals auf das Abstellgleis.
Foto vom neuen Triebwagen
Der Triebwagen Nr. 41 auf Versuchfahrt über das Abstellgleis

Montag, 7. Juni 2021: Der Triebwagen Bhe 2/2 Nr. 41 trifft ein
Der erste von insgesamt acht neuen Personentriebwagen ist in Alpnachstad eingetroffen. Der Wagen wird ins Depot befördert und in den kommenden Wochen auf Herz und Nieren geprüft. Weil die Pilatusbahn das einzigartige Locher-Zahnradsystem verwendet, müssen die Versuchfahrten vor Ort stattfinden. Dies geschieht jeweils nachts, um den Betrieb nicht zu stören.
Foto vom neuen Triebwagen
Der Triebwagen Nr. 41 vor der Talstation in Alpnachstad (Foto: Ueli Wallimann)

Man hat entschieden, die Nummerierung nochmals anzupassen. Die Personentriebwagen tragen die Nr. 41 bis 48 und der Gütertriebwagen erhält die Nr. 49. Die Triebfahrzeuge werden also in der Reihenfolge der Anlieferung nummeriert. Ursprünglich war das Güterfahrzeug als erster Wagen geplant und deshalb die Nr. 41 für diesen vorgesehen.

Dienstag, 11. Mai 2021: Der Baukran zieht um
Der Baukran wurde Stück für Stück abgebaut und an einer höher gelegenen Stelle wieder aufgestellt. Dazu waren zwei Pneukran im Einsatz. Der kleinere Pneukran hat den grossen Pneukran zusammengebaut. Mit dem grossen Pneukran konnte wiederum der Baukran an die neue Stelle gezügelt werden.
Während dem Sommer ruht die Baustelle in Alpnachstad. Im nächsten Winter wird dann die Schiebebühne Obsee durch einen neuen Gleiswender ersetzt. Der Baukran ist nun für diese Arbeiten platziert und verbleibt den Sommer über in der neuen Position.
Übersicht der Situation
Der Baukran wird Stück für Stück von der tieferen zur höhergelegenen Position versetzt.

Foto vom Versetzen des Auslegers
Nahaufnahme vom Versetzen des Auslegers
Zum Schluss wird der Ausleger, der während dem Umsetzen der Elemente zwischengelagert wurde, wieder aufgesetzt.

Im Moment wird alles für die Betriebsaufnahme der Zahnradbahn in die Wege geleitet. An den neugebauten Abschnitten werden letzte Arbeiten ausgeführt, so dass die Baustelle während dem Sommer pausieren kann. Gleichzeitig bereiten die Mitarbeiter der Zahnradbahn die Wagen, die Strecke und die Stationen für den Betrieb vor. Schlussendlich haben die Triebwagenführer mit Saisonanstellung ihre Schulungen absolviert und freuen sich auf den Start in die Sommersaison.
Die Schneeräumung rückt gut voran. Zwar kann der Betrieb an Auffahrt noch nicht aufgenommen werden, aber die Verantwortlichen sind optimistisch, dass am Pfingstwochenende (ab 22. Mai 2021) der Startschuss zur neuen Saison erfolgen kann.
Foto von Arbeiten auf dem TW31
Der Triebwagen Ohe 1/2 Nr. 31 kommt bei geerdeter Fahrleitung als mobile Leiter zum Einsatz. Auf der linken Seite ist die neue Perrontreppe zu sehen. Diese verbleibt noch bis zur definitiven Betriebsumstellung im Rohbau.

Freitag, 30. April 2021: Erste Fahrt über Gleiswender
Zum ersten Mal wurde der Gleiswender mit einem Fahrzeug befahren. Weil die Fahrleitung noch nicht installiert ist, kam dafür nur das dieselelektrische Fahrzeug in Frage.
Übersicht der Situation
Die beiden neuen Gleiswender sind eingebaut und verbleiben vorerst in gerader Position.

Blick auf den Diesel
Mit dem dieselelektrischen Dienstfahrzeug Xhm 1/2 Nr. 32 wird der Gleiswender zum ersten Mal befahren.

Die beiden neuen Gleiswender kommen in der Saison 2021 noch nicht zum Einsatz. Sie verbleiben vorerst dauerhaft in der geraden Stellung, so das wie bis anhin das Hauptgleis und das Abstellgleis zur Verfügung steht und der Gleiswechsel über die beiden Schiebebühnen in der Talstation und im Obsee erfolgt. Auch die Fahrleitung wird wieder wie zuvor montiert.
Im nächsten Winter wird im Obsee ein weiterer Gleiswender installiert, so dass die gesamte Gleisanlage für den neuen Betrieb umgebaut ist.

Freitag, 9. April 2021: Montage der Gleiswender
Die neuen Gleiswender sind in Position. Mit einem Pneukran wurden sie angehoben und auf dem Hauptgleis abgestellt. So konnten sie entlang dem Gleis nach oben gezogen und in die Grube gehoben werden.
Foto vom Anheben Foto nach dem Einbau
Die Gleiswender wiegen je 16 Tonnen und werden mit einem Pneukran angehoben
(Fotos: Ueli Wallimann)


Die eingebauten Gleiswender befinden sich hier in der "S"-Stellung. Diese führt vom Gleis 12 (links) auf das Gleis 21 (Streckengleis, rechts), während die gerade Stellung (links) ab 2023 in einem Stumpengleis enden wird.

Während die Schienen bereits montiert sind, fehlt noch die Zahnstange. Bei der Schiene, die in der Mitte der Gleise zu sehen ist, handelt es sich um die sogenannte Vautrinschiene. Auf dieser wird die Locherzahnstange befestigt. Die Spurkränze der beiden Zahnräder führen den Wagen an dieser Vautrinschiene
Freitag, 2. April 2021: Gleisenwendergruben sind vorbereitet
Die beiden grossen Gruben für die neuen Gleiswender sind betoniert. In der kommenden Woche werden die Gleiswender angeliefert und eingebaut.
Blick auf die Gleiswendergrube
In dieser Grube wird ein Gleiswender eingebaut.

Blick auf die Einbaustelle
Die Grube befindet sich an der Stelle, an der der grüne Träger zu sehen ist. Mit dieser Vorrichtung werden die Gleischwender in die Grube gehoben.

Gleiswender sind speziell für die Pilatusbahn entwickelte Weichen. Da das Lochersystem keine konventionellen Eisenbahnweichen zulässt, kommen verschiedene Alternativen zum Einsatz. Ursprünglich gab es überall Schiebebühnen. Davon sind heute noch zwei verschiedene Typen vorhanden. In der Talstation, im Obsee und im Depot sind Schiebebühnen verbaut, mit denen Fahrzeuge zwischen den Gleisen verschoben werden. In der Mittelstation hingegen befinden sich zwei Kurvenstücke auf der Schiebebühne, die jeweils auf ein anderes Gleis abzweigen. Statt dem Fahrzeug wird die Schiene verschoben.
Blick auf die Schiebebühne Obsee Blick auf die Schiebebühne Ämsigen
Die Schiebebühne Obsee verbindet das Streckengleis (Hauptgleis) mit dem Abstellgleis und dem Werkstattgleis

Die Schiebebühne in der Mittelstation Ämsigen ähnelt schon eher einen konventionellen Weiche

Bei der Bergstation wurde in den 1960er Jahren die Schiebebühne durch zwei von der Firma von Roll entwickelte Gleiswender ersetzt. Vom Prinzp her ähneln sie den Schiebebühnen in der Mittelstation, mit dem Unterschied, dass sich die Kurvenstücke auf zwei Seiten einer Platte befinden, die horizontal gewendet wird. Die Bergstation wurde damals nach einem Brand neu gebaut und der Einsatz der Gleiswender ermöglichte eine Station mit mehreren Gleisen. Die aufwändigen Rangierbwegungen, mit denen leere Fahrzeuge jeweils auf ein Abstellgleis gebracht wurden um Platz für die nächsten Wagen zu schaffen, sind seither nicht mehr nötig.
Blick auf den unteren Gleiswender Der Gleiswender wird gedreht
In der Bergstation Pilatus-Kulm kommen seit den 1960er Gleiswender zum Einsatz

Statt geschoben wird gewendet - wie der Name verrät

Mit der Neukonzeption wird das gleiche Prinzip nun auch in der Talstation umgesetzt. Allerdings weisen die neuen Gleiswender einige Unterschiede zu ihren Vorgängern in der Bergstation auf. Statt zwei Kurvenstücke werden sie nämlich jeweils eine Gerade und eine Kurve aufweisen. Aus diesem Grund sind die auch einiges grösser. Die Gleiswender werden von der Ferdinand Steck Maschinenfarbik AG, Bowil, gefertigt. Die Firma hat auch die neuen Zahnstangen gefräst.

Donnerstag, 18. März 2021: Arbeiten schreiten voran
Auf der Baustelle in Alpnachstad wird fleissig gearbeitet. Das Gleisbett des Abstellgleises wurde fertiggestellt und es konnten neue Schienen und Zahnstangen montiert werden. Nun ist man daran, die beiden Gruben für die neuen Gleiswender zu betonieren.
Blick auf die Baustelle
Es wird an den grossen Gruben für die Gleiswender gearbeitet

Das Abstellgleis ist fertiggestellt
So sieht das fertige Gleis aus. Auf dem betonierten Gleisbett sind die neuen Schienen und Zahnstangen befestigt.

Wann die neue Saison gestartet werden kann, hängt dieses Jahr nicht (nur) vom Schneebruch ab, sondern insbesondere davon, wann die Gleisanlagen für den Betrieb bereit stehen.

Dienstag, 2. Februar 2021: Präsentation eines Modells der neuen Triebwagen
Die PILATUS-BAHNEN AG haben das Geheimnis gelüftet und das Aussehen der neuen Fahrzeuge anhand eines Modells im Massstab 1:10 der Öffentlichkeit präsentiert:
Modell des Fahrzeuges in 1:10
Modell der neuen Triebwagen im Massstab 1:10 (Foto: PILATUS-BAHNEN AG)

Das erste Fahrzeug wird voraussichtlich im Mai 2021 in Alpnachstad eintreffen und auf die Gleise gebracht. Danach stehen Versuchsfahrten auf dem Programm, die aufgrund der Einzigartigkeit des Zahnradssystems nur vor Ort durchgeführt werden können. Die Hoffnung ist, dass das erste Fahrzeug bereits im Herbst 2021 die Genehmigung zur Personenbeförderung erhält und im Betrieb eingesetzt werden kann.
Modell des Fahrzeuges in 1:10
Foto: PILATUS-BAHNEN AG

Die Fahrzeuge werden die Bezeichnung Bhe 2/2 und die Nummern 41 bis 49 erhalten, wobei die Nr. 41 dem erst zuletzt gelieferten Güterfahrzeug vorbehalten ist. Das erste eintreffende Fahrzeug wird demnach als Bhe 2/2 Nr. 42 geführt.
Damit wird die bisherige Nummerierung der Fahrzeuge bei der Pilatusbahn fortgeführt. Begonnen hat alles mit den Dampftriebwagen Bhd 1/2 Nr. 1 bis 11, die zwischen 1886 und 1909 in Dienst gestellt wurden. Für die im Jahr 1937 eingeführten elektrischen Triebwagen ist man mit dem nächsten Zehnerblock weitergefahren, so dass die Nummerierung mit der Zahl 21 fortgesetzt wurde. Heute sind die Triebwagen Bhe 1/2 Nr. 21 bis 30 (Personenwagen), Ohe 1/2 Nr. 31 (Gütertriebwagen) und Xhm 1/2 Nr. 32 (Dieselelektrisches Dienstfahrzeug) im Einsatz. Entsprechend wird für die Nummerierung der neuen Generation der nächsten freie Zehnerblock (ab Nr. 41) benutzt.
Ab 2023 wird der Betrieb mit den neuen Fahrzeuge Bhe 2/2 Nr. 42 bis 49 abgewickelt. Im Dienst verbleiben das dieselelektrische Fahrzeug (Xhm 1/2 Nr. 32) sowie zwei der bestehenden Personentriebwagen, wobei noch nicht klar ist, welche das sein werden.
Die Bezeichnung Bhe 2/2 der neuen Fahrzeuge lässt erkennen, dass bei diesen Triebwagen beide "Achsen" angetrieben sind. Wobei bei der Pilatusbahn damit natürlich nicht die Radachsen gemeint sind, sondern die jeweiligen Zahnradpaare. Je ein Drehstrommotor wird die beiden Zahnräder jeder "Achse" antreiben.
Im Gegensatz zu den heutigen Fahrzeugen gibt es demnach keine Unterscheidung mehr zwischen Antriebs- und Bremszahnräder. Alle Zahnräder sind in der gleichen Art und Weise angetrieben und gebremst. Gemäss meinen Informationen wird im Betrieb jedoch jeweils eine Bremse als Betriebsbremse und eine als Sicherheitsbremse definiert sein. Dies kann auch periodisch gewechselt werden, um einen gleichmässigen Verschleiss zu erzielen.
Eine Besonderheit der neuen Fahrzeuge ist sicherlich der Verzicht auf einen klassischen Führerstand. Alle sechs Abteile bieten jeweils acht Sitzpätze. Das unterste Abteil ist etwas grösser ausgestaltet, damit dort Fahrgäste im Rollstuhl oder Paletten Platz finden. Ausserdem können bei den beiden vordersten Abteilen zwei frontseitige Sitze in einen Bedienplatz umgewandelt werden: Ein Stuhl wird entfernt, der andere umgekehrt als Sitzplatz für den Wagenführer. Bildschirme für betriebliche Anzeigen, die Türöffnung und den Zugriff auf die im Fahrzeug verbauten Kameras sind an der Seite angebracht. Die Bedienelemente befinden sich unter dem Sitz und werden beim Umrüsten hervorgeholt. Schlussendlich finden im umgerüsteten "Führerstand" neben dem Wagenführer auch sechs Fahrgäste Platz.

Freitag, 22. Januar 2021: Felsabtragung und Aushub beendet
Der Felsabtrag für das neue Perron und die Aushubarbeiten für die Gleiswender sind abgeschlossen. Nun wird mit dem Betonieren begonnen. So wird in den nächsten Wochen das abgetragene Trasse des Gleis 2 wieder entstehen. Dieses wurde abgetragen, um es an das Niveau des Gleis 1 anzupassen. Ausserdem werden die Gruben für die Gleiswender (Weichen) und das neue Perron betoniert. Im Frühling müssen die Gleisanlagen wieder für den Betrieb bereit sein.
Übersicht der Baustelle
Überblick über die Baustelle: Teile des Felsen wurden abgetragen und die Grube für die Gleiswender ausgehoben.

Baustelle bereit zum Betonieren
Als nächstes wird das Trasse des Gleis 2 wieder betoniert.

Mittwoch, 18. November 2020: Aufbau des Baukrans
Mit zwei Pneukränen wurde am morgen früh damit begonnen, den Baukran für die Umbauarbeiten an der Talstation zu errichten. In den kommenden Wintermonaten, während sich die Zahnradbahn in der Winterpause befindet, wird der Fels abgetragen um Platz zu schaffen für das neue bergseitige Perron. Ausserdem werden die beiden neuen Gleiswender eingebaut. Diese sind dann allerdings in der kommenden Saison 2021 noch nicht in Gebrauch.
Der Baukran steht
Der Baukran steht zwischen der Talstation und dem Depot

Der Baukran von Obsee aus gesehen
Blick von der Schiebebühne Obsee auf den Baukran

Der Baukran vom Depot aus gesehen
Der Baukran vom Depot aus gesehen

Meine persönliche Meinung

Ich begrüsse das Bekenntnis der PILATUS-BAHNEN AG zur Zahnradbahn, das mit dieser Investition zweifellos erbracht wird. Aus meiner Sicht verschwinden jedoch mit der Neukonzeption einige einzigartige Elemente aus dem Betrieb, denen ich nachtrauern werde.
Zweifellos muss hier an erster Stelle das historische Rollmaterial genannt werden. Die Fahrzeuge sind das Ergebnis Schweizer Ingenieurskunst und strahlen eine zeitlose Eleganz aus. Die gepolsterten Sitzbänke oder die Fensterheber zum Kurbeln werden womöglich dem einen oder anderen Fahrgast fehlen. Mich fasziniert als Triebwagenführer insbesondere die elektrisch-mechanische Steuerung der Wagen. Es macht die Arbeit interessant und trägt zum Berufsstolz bei. Im Gegensatz dazu werden die Wagenführer mit dem neuen Rollmaterial - überspitzt gesagt - vom Lokführer zum Mitfahrer degradiert.
Gegen neues Rollmaterial ist grundsätzlich nichts einzuwerfen. Mit dem neuen Betriebskonzept mit Halbstundentakt, Wegfall der Schiebebühnen und dem Verkehr in Doppeltraktion fallen für mich jedoch wesentliche Charakteristika der Pilatus-Zahnradbahn weg. Zugverbände mit bis zu sechs Wagen sieht man sonst bei keiner Bahn, ebenso wenig den Einsatz von Schiebebühnen beim Fahrgastwechsel. Anders als heute, wo man als Wagenführer alle "seine" Gäste durch den Fahrgastraum sieht und hört, wird man durch die Doppeltraktion von einem Teil der Fahrgäste "abgeschnitten" sein. Dies, sowie die ferngesteuerten Türen, tragen dazu bei, dass der Kontakt mit den Gästen grösstenteils nicht mehr so persönlich sein wird wie bisher.
Ich hätte mir gewünscht, dass neue Fahrzeuge als einzelne Fahrzeuge beschafft werden als Ergänzung bzw. Teilersatz des bestehenden Rollmaterials. Bei geringem Andrang würden die modernen Fahrzeuge ausreichen und die historischen Wagen wären entlastet. Bei schönem Wetter käme man nach wie vor in den Genuss der alten Triebwagen, weil dann alle Fahrzeuge im Einsatz stehen. Diese Chance hat man mit dem vorliegenden Projekt leider verpasst.
Es bleibt zu hoffen, dass die historischen Triebwagen auch in Zukunft in Schuss gehalten und regelmässig für Fahrten ausserhalb des Fahrplans eingesetzt werden.

©2020-2021: Severin Wallimann

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